13.11.2017

ASAP - as sustainable as possible

Nach Ergebnissen einer EHI Studie zum Thema: „Ladenbau zwischen Green Design und Fairem Handel“ achten zahlreiche Handelsunternehmen eigenen Aussagen zufolge bereits bei der Entwurf- bzw. Vorplanung auf möglichst Material sparende Store- und Visual-Merchandising-Konzepte und berücksichtigen hierbei eine nachhaltige und damit möglichst umweltschonende Auswahl von Materialien und Produkten.

 

Zu diesem Thema wurde Markus Xyländer (der CEO der Barthelmess GmbH) interviewt.

 

Es folgt ein Interview aus dem VM MAG (Ausgabe 6/2017 Seite 46-48):

 

VM-Magazine: Herr Xyländer, was meinen Sie: hat das Thema „Digitalisierung im Retail“ das Thema „Sustainability“ von der Agenda der Entscheider im Handel verdrängt? Ist „grün“ zurzeit ein Modethema im Handel?

 

Markus Xyländer: Nein, das nicht. Ich bin mir aber sicher, dass es mehrere wichtige Aspekte im Retail gibt, die die Entscheider beschäftigen. Sustainability ist schon sehr lange ein Thema. Ich stehe aber auch dazu und sage, der wirkliche Durchbruch ist hier bisher noch nicht gelungen.

 

VM-Magazine: Es heißt, Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsability (CSR) seien langfristig die wichtigsten Kommunikationsthemen für Unternehmen – stimmt das?

 

Markus Xyländer: Langfristig gesehen mit Sicherheit. Aber gerade in der Kommunikation muss man achtgeben, dass es nicht als Marketinginstrument missbraucht wird. Das merkt der Endverbraucher sehr schnell. Ich glaube aber vielmehr, dass diese beiden Themen aus dem inneren von einem jeden Unternehmen erfolgen muss. Und zwar aus reinster Überzeugung.

 

VM-Magazine: Apropos Überzeugung: wieviel Nachhaltigkeit verträgt ein Unternehmen - was ist aus Ihrer Sicht sinnvoll und was nicht?

 

Markus Xyländer: Ich glaube, ein richtiger Schritt in die richtige Richtung kann wie folgt aussehen: asap - as sustainability as possible. Es wäre falsch, auf Teufel komm raus nur noch mit nachhaltigen Materialien zu arbeiten. Aber es gibt zu vielen regulären Materialien eine ökologischere Alternative. Und die gilt es auszuloten, ob diese in Betracht kommt oder nicht. Ich denke, wir müssen kleine Schritte machen und nicht den großen Wurf.

 

VM-Magazine: Wann ist ein Visual Merchandising-Konzept tatsächlich nachhaltig?

 

Markus Xyländer: Wenn wirklich alle Aspekte, angefangen beim Design über die Produktion bis hin zur Verpackung und Logistik, geprüft und optimiert werden.

 

VM-Magazine: Und wie können diese optimiert werden?

 

Markus Xyländer: Dazu soll man sich folgende Fragen stellen: Muss wirklich alles einzeln verpackt sein? Kann durch eine kleine Änderung in den Abmessungen nicht Fracht und Volumen gespart werden? Wie ist die Konstruktion aufgebaut? Es gibt eine Unmenge an Möglichkeiten, die es im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu optimieren gäbe. Und sollte man diese Fragen alle mit einem Ja beantworten können, haben wir als Unternehmen einen großen Schritt in Sachen Verantwortung übernommen.

 

VM-Magazine: Können Schaufenstergestaltungen aus rein natürlichen Materialien überhaupt wirksam inszeniert werden?

 

Markus Xyländer: Selbstverständlich. Es gibt eine sehr große Auswahl an Materialen und deren Verarbeitungsmöglichkeiten.

 

VM-Magazine: Welche Anforderungen (Materialauswahl, Transportwege und Mitarbeiter) haben Ihre Kunden an Ihr Unternehmen?

 

Markus Xyländer: Die Anforderung an uns kann nicht unterschiedlicher sein. Oft vertrauen unsere Kunden aber auf unsere langjährige Erfahrung im Visual Marketing. So können wir immer Varianten zu Produkten und deren Herstellung anbieten. In Sachen Transport variiert es von einer Lieferadresse in ein Zentrallager bis hin zu 800 Direktanlieferungen in die Stores. Wir sind für alle Eventualitäten gerüstet. Und dies beantwortet auch die Frage nach der Anforderung an die Mitarbeiter. Höchste Erfahrung, angefangen vom Design über das Projektmanagement bis hin zur Verpackung in der Logistik.

 

VM-Magazine: Nutzen Sie nachhaltige Produkte als Verkaufsargument?
 

Markus Xyländer: Nein, Sustainability darf dafür nicht missbraucht werden. Wenn sich Synergien ergeben, dann macht dies aber natürlich Sinn.

 

VM-Magazine: Fragen Ihre Kunden gezielt nach nachhaltiger Produktion?

 

Markus Xyländer: Von unseren Kunden kommt immer wieder die Frage nach Nachhaltigkeit. Lässt sich dies im Gesamtkontext des Projektes im Management abbilden, wird dies auch mit einbezogen und umgesetzt.

 

VM-Magazine: Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach Öko-Siegel oder -Labels?

 

Markus Xyländer: Ganz ehrlich …

 

VM-Magazine: … ja, bitte …

 

Markus Xyländer: eine sehr geringe Rolle.

 

VM Magazine: Warum?

 

Markus Xyländer: Wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt, und glauben Sie mir, das haben wir sehr ausführlich getan, gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichsten Siegel und Zertifikaten. Für die gängigsten haben wir selbstverständlich den Nachweis.

 

VM-Magazine: Denkt das neu ausgerichtete Unternehmen Barthelmess zirkulär (reduce, repair, reuse, recycle)?

 

Markus Xyländer: Nicht bewusst. Im Sinne des Projektmanagements muss auch immer das Budget mitberücksichtigt werden. Und oft ist es einfach betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, bereits eingesetztes Dekorationsmaterial per LKW wieder vom Kunden abzuholen.

 

VM-Magazine: Steht Ihr Unternehmen zu seiner Verantwortung, Stichwort „Greenwashing“?

 

Markus Xyländer: Ein ganz klares Ja. Wir werden nichts kommunizieren, was wir nicht halten können.

 

VM-Magazine: Mittlerweile integrieren einige Firmen ihre soziale und ökologische Verantwortung für die gesamte Lieferkette in ihr Geschäftsmodell. Wie sieht das in Ihrem Unternehmen aus?

 

Markus Xyländer: Die sozialen und ökologischen Standards sind für uns von großer Bedeutung. Ein neuer potenzieller Lieferant wird immer einem Audit unterzogen.

 

VM-Magazine: Wie bringt Ihr Unternehmen das 3-Säulen-Modell: „Ökologie, Ökonomie und Soziales“ in Einklang?

 

Markus Xyländer: Ich bin der Meinung, dass es ohne diesen Einklang in Zukunft nicht gehen wird. Flexible Arbeitszeiten, worklife balance, sabbatical, kostenlose Getränke. Es gibt eine Vielzahl von Stellschrauben. In einigen dieser erwähnten Punkte sind wir schon gut dabei, die anderen haben wir auf der Agenda.

 

VM-Magazine: Herr Xyländer, eine abschließende Frage: Welche Trends sehen Sie im Bereich Visual Merchandising bezüglich des Nachhaltigkeitsthemas?
 

Markus Xyländer: Eine der besten Materialen ist aus meiner Sicht die Wabenplatte. Sie kann sehr gut weiterverarbeitet werden, und es gibt sie zudem in unterschiedlichen Stärken. Zu guter Letzt hat sie kaum Gewicht und ist dafür extrem stabil und robust. Als allgemeinen Trend sehe ich das Thema „Blumen und Blüten“. Als Kombination ist hier beispielsweise der Direktdruck eines Blütenmotivs zu erwähnen, der im Anschluss auf Kontur ausgeschnitten wird. Gedruckt auf oben erwähnter Wabenplatte, ergibt das eine hervorragende Kombination in Sachen Trend und Nachhaltigkeit.

 

VM-Magazine: Herr Xyländer, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: VM MAG Ausgabe 6/2017

 


Ein Artikel von

Chantal Weber