21.09.2017

Hotel Zoo in Berlin

Ein Hotel, das sich in einem Gebäude befindet, das spannende Geschichten erzählen kann, ein Hotel, das mit seinem außergewöhnlichen Design besticht und ein Hotel, das einen hohen Promifaktor aufweisen kann – das Hotel Zoo.

 

Wenn die Wände des „Hotel Zoo“ am Berliner Kurfürstendamm 25 sprechen könnten, hätten sie spannende Geschichten von einem Prachtboulevard zu erzählen, der viele Zeiten überdauert hat. Es wären Geschichten, die nicht von bedeutenden, mit großen Denkmälern bedachten Persönlichkeiten handelten – sondern vom Leben hinter der hochherrschaftlichen Fassade Ende des 19. Jahrhunderts. Sie würden vom vorbeischlendernden Berthold Brecht berichten, auf dem Weg ins Café des Westens. Von der Eröffnung des Hotels im Jahr 1911. Von den rauschenden Festen der reichen Berliner Bohème in den goldenen 1920er Jahren, die zu Charleston tanzte, während der Zucker in den Absinth-Gläsern schmolz. Es wären Geschichten von großen Stars, von Aufschwung und Dekadenz, Zerstörung und Wiederaufbau. Als Manfred Weingärtner 2004 auf das Gebäude des „Hotel Zoo“ in Berlin aufmerksam wurde, war der Kurfürstendamm lange nicht mehr der Prachtboulevard, als der er einst erbaut wurde. „Damals galt der Kurfürstendamm als gestorben, insbesondere im Bereich Joachimstaler Straße bis Uhlandstraße. Fast jedes zweite Geschäft war verwaist oder mit unbedeutendem Einzelhandel belegt. Zum damaligen Zeitpunkt war es ein Wagnis eine derartige Immobilie zu erwerben und an die Großartigkeit des Kurfürstendamms zu glauben“, erinnert sich Weingärtner. Doch das Wagnis, hat sich gelohnt. Seit einigen Jahren feiert die City West ein fulminantes Comeback, mit viel beachteten Bauprojekten, wie dem Umbau des Bikini-Gebäudekomplexes, dem sanierten Haus Cumberland oder der Wiedereröffnung des Zoo-Palastes.

 

Und auch der KuDamm erlebt eine Renaissance: Die Auswahl an Luxus-Boutiquen wächst stetig - Apple eröffnete hier (in direkter Nachbarschaft zum „Hotel Zoo“) seinen ersten Store in Berlin und auch prominente Berliner Unternehmer, wie Luxus-Frisör Shan Rahimkhan oder Edel-Gastronom Roland Mary vom Borchardts sind mit ihren Ablegern an den KuDamm gezogen.

DER UMBAU UND DAS DESIGN

 

Um die Räume und ihre Geschichte durch ein passendes Design-Konzept zu neuem Leben zu erwecken, wurde die US-amerikanische Designerin Dayna Lee und ihr in LA und New York ansässiges Designstudio - Powerstrip Studios - engagiert. „Für das „Hotel Zoo“ wollte ich stets ein amerikanisches Interior Design-Team“, so Manfred Weingärtner. „Ich hatte Dayna bei der Eröffnung des ersten ˌW Hotels ˈ in Los Angeles kennengelernt, dessen Lobby sie gestaltet hatte. Als wir in die Planung für das neue Hotel gingen, war mir schnell klar, dass sie genau die richtige Partnerin sein würde, um Emotionen und Geborgenheit in Design zu übersetzen.“ Dayna Lee und ihr Ehemann Ted Berner gründeten ihre Firma Powerstrip Studios im Jahr 2000.

 

Davor waren sie beide gefragte Art Direktoren, Set-Dekorateure und Produktionsdesigner in der Filmindustrie Hollywood. „Es bietet sich nicht oft die Gelegenheit, ein so ehrwürdiges Gebäude umzugestalten, noch dazu in Berlin und dann auch noch am Kurfürstendamm”, so Dayna Lee über ihr Engagement für das Hotel. Um dem Design die größtmögliche Authentizität zu geben, setzte sich Lee intensiv mit der Historie der Stadt und des Gebäudes auseinander und lernte die Kultur und Szene Berlins kennen. „Berlin ist meine Lieblingsstadt – mit einer bewegenden Geschichte und der kreativen Avantgarde von heute. Davon ist auch das Design inspiriert, gemischt mit coolen New Yorker und eleganten Londoner Elementen.“ Wer das neue „Hotel Zoo“ in Berlin heute durch seinen nach links verlegten, sieben Meter hohen Haupteingang mit dem massiven Natursteinportal betritt, gelangt in den Eingangsbereich, der sich über zwei Etagen erstreckt. Ein 22 Meter langer Catwalk, dessen Decke mit einem eindrucksvollen und handgearbeiteten Kunst-Stuck geziert ist, führt den Gast über einen eigens für das Hotel von Diane von Fürstenberg entworfenen, jadegrünen Teppich mit schleichenden Leoparden zur Rezeption. Links und rechts hängen vom Art Department Studio Babelsberg angefertigte Ölgemälde der fiktiven, einstigen Gründer, die jeden Gast willkommen heißen. Von dem im alten Mauerwerk verankerten, schwebenden Rezeptionstresen aus Walnussholz, gelangt man in den neuen „Living Room“, dem Herzstück des Hotels. In dem sieben Meter hohen, durch bodentiefe Industriefenster lichtdurchfluteten Raum, spielt Dayna Lee mit den Proportionen und einem Mix aus satten Pink- und Violetttönen, Samtstoffen, Leder sowie modernen Teppichen. Eine über sechs Meter hohe, der Gründerzeit nachempfundene Wohnungstür aus Walnussholz, flankiert von zwei gleichgroßen Spiegeln, erinnert an Alice im Wunderland. In der gegenüberliegenden Wand, die auch den Wintergarten begrenzt, ist ein offener Kamin eingelassen. Ein zwei Tonnen schwerer Kunst-Stuck in Form einer Ansammlung von Lilien, schmückt die Decke. „Ich wollte die Grenzen der Realität verschieben, um die Gäste in eine andere Welt eintauchen zulassen“, so Lee. „Der Living Room soll im wahrsten Sinne des Wortes ein Ort sein, der an ein elegantes Zuhause erinnert, in dem man arbeitet und sich trifft, in dem eine offene Atmosphäre herrscht, die kreative Menschen anzieht.“ Für den Bereich vor der überdimensionalen Wohnungstür hat sie Tom Dixon Wingback Chairs und rote Samtsofas von George Smith ausgewählt. „Dayna versteht es perfekt, Elemente, wie Farben, Materialien und die architektonischen Gegebenheiten zu einem harmonischen und emotionalen Design zu vereinen. Mit ihrer amerikanisch-asiatisch beeinflussten Designsprache hat sie dem historischen „Hotel Zoo“ inmitten des szenig-dynamischen Berlins eine ganz besondere und außergewöhnliche Prägung gegeben“, beschreibt Manfred Weingärtner ihre Arbeit.

 

PROMIFAKTOR

 

Zu Gast im Grace Restaurant des Hotel Zoo waren unter anderen Kylie Minogue, Bruce Willis, Kate Hudson, Goldie Hawn, Zinédane Zidane, Brad Pitt… u.v.m. Zur Berlinale im Februar 2016 war Tilda Swinton zu Gast.

 

Quelle: VM MAG Ausgabe 3/2016


Ein Artikel von

Chantal Weber